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Herrentour

Herrentour Soca 2021

Simon Gerdts | 16. September 2021

(JD) Die diesjährige Wildwasser- Herrentour war für den Zeitraum 27.08.- 03.09. vorgesehen und sollte ursprünglich ins Inntal führen. Die ganzjährig akzeptablen Pegel der Soca sorgten schließlich dafür, dass die Reise tatsächlich nach Slowenien umgeplant wurde.

Ein Team, bestehend aus sechs männlichen Kanuten, traf sich um 20:00 Uhr zum Laden der Boote und des Equipments, um schließlich gegen 21:00 Uhr aufzubrechen.

Ein kurzer Abstecher über Mönchengladbach, um die Campingausrüstung zu vervollständigen, führte uns schließlich auf unsere Route gen Süden.

Unser Ziel, das Camp Liza in Bovec auf 434[m] Höhe in den Julischen- Alpen, erreichten wir gegen 10:00 Uhr des folgenden Tages ohne Zwischenfälle und teils wohl erholt.

Unser zugewiesener Platz erwies sich sehr schnell als ausgezeichnet, da er leicht erhöht, einen fantastischen Ausblick auf die Natur und die umliegende Nachbarschaft erlaubte.

Etwas müde, aber zügig genug bauten wir unser Lager auf, um schließlich gegen 11:30 Uhr unser Frühstück einzunehmen. Unser Shelter war ab nun, der Dreh- und Angelpunkt und bot alles an Luxus was Man(n) so braucht.
Bereits an dieser Stelle sei erwähnt, dass es zu keinem Zeitpunkt des Aufenthaltes im Camp Liza, zu stressartigen Bewegungen kam, es sei denn Man(n) sucht plötzlich sein Portemonnaie, Brille oder mal wieder den Busschlüssel.

Das Camp Liza liegt idyllisch unmittelbar an der Koritnica die wenige Meter flussabwärts in die Soca mündet. Einigkeit herrschte sehr schnell, über das für diesen Tag bevorstehende Paddelrevier.

Es sollte zur 3. Klamm gehen und von dort aus flussabwärts in Richtung der Ortschaft Zaga.
Der Ausstieg befindet sich nach etwa 6[km] direkt beim uns allseits bekannten Bootsbauer Prion.
Die Entscheidung für diesen Abschnitt wurde insbesondere vor dem Hintergrund getroffen, dass wir eine, was die WW- Erfahrung anbelangt, heterogene Männergruppe waren.
Und so konnten wir gemeinsam, nach dem anstrengenden Teil der Anreise- und des Aufbaus des Lagers, das technische Wildwasser genießen und mit der ein- oder anderen Spieleinlage versüßen.
Ohne Schwimmer ging es am „Frauenschlucker“ vorbei und nach genau 1:30[h] stießen wir auf das erste gemeinsame Bier an.

Es sollten an diesem Abend auch noch weitere folgen, denn unerwarteter Besuch aus Krefeld traf ein.
Eingegangen wird an dieser Stelle aber auf die Beilagen wie beispielsweise: Hervorragend gegrilltes Fleisch, selbst gemachtes Zaziki mit Brot und Salat, sowie natürlich viel zu wenig Ouzo!

Der Abend war laut, die Nacht zu kurz, es wurde hell und tatsächlich Sonntag.

Typischerweise geht´s sonntags gerne in die Kirche, bei uns fiel die Entscheidung jedoch ausschließlich auf den nachfolgenden Gang zum Friedhof.
An der Soca besser bekannt als die „Friedhofsstrecke“!
Dieser Abschnitt, der im Übrigen wie alle weiteren Abschnitte im Team festgelegt wurde, erwies sich als noch attraktiver was die Aussichten über- aber auch unter Wasser anbelangte.
Das Karststeingebirge lässt den Fluss in den tollsten Farben erstrahlen, ich konnte mich persönlich nach insgesamt drei geplanten Ausstiegen aus dem Kajak, davon vergewissern.

Unser Abschnitt ab Srepenica beginnt mit leichtem WW der Kategorie I- II bis nach etwa einem Kilometer erste Verblockungen auftauchen und der Spaß beginnt. Nach einer Linkskurve kommt man in den Genuss erster Spielstellen mit rückläufigen Walzen, Verschneidungen und kleinen Surfwellen und jede Menge Kehrwasser.
Im Prinzip wechseln sich gemütliche- und mittelschwere Passagen kontinuierlich ab. Ungefähr auf der Hälfte der Strecke befindet sich in Flussmitte eine kleine und auf den ersten Blick unscheinbare Walze, die es aber in sich hat. Sehr tief, sehr rückläufig, sehr gemein. Da braucht man jemanden, der eine gute Linie vorgibt oder ein gutes Rettungsteam. Beides war mir gegönnt.

Nach 2:50[h], 162[bpm] maximalem Puls und 1.332 verbrannter Kalorien und einem verstauchten Daumen, durfte ich mein Defizit mit einem Kölsch auffüllen. Prost, erster alpiner Abschnitt geschafft!

Der Daumen wurde fortwährend mit Eis gekühlt und mit Voltaren versorgt. Der Rest des Tages- und des Abends wurde gemeinschaftlich mit dem Abbau von Glückshormonen begangen.
Irgendwann vergisst man den Wochentag, ein bekanntes Phänomen, wenn der Urlaub richtig gut ist.

Es wurde Montag und es sollte ein ruhiger Paddeltag werden, der Daumen benötigte einen „Schontag“.
Wir starteten direkt am Camp Liza auf der Koritnica und paddelten das kleine Stück „Applausstrecke“ bis zur Mündung in die Soca. Trotz vorherigem Scouten behielt die Strecke, was der Name verspricht. Der kleine verblockte Abschnitt unterhalb der Hängebrücke wurde für eine weitere Bergeaktion genutzt. Bei den vorherrschenden Außentemperaturen darf man auch von Vorsatz ausgehen.  
Der Rest der sogenannten „Hausfrauenstrecke“ auf der Soca ist purer Genuss.
Ein wenig Heimbach bis Untermaubach, nur alles in bildschön!


Ganz zum Schluss nochmal eine etwas anspruchsvollere Stelle mit Querströmung, an einem Stein mit nettem Polster, geht es zügig in eine Rechtskurve. Wer bis hier noch nicht gerollt war, hatte jetzt die Gelegenheit dazu. Hilfe wäre theoretisch zur Stelle, wurde aber nicht benötigt, ist ja auch irgendwie Ehrensache. Nach 3:30[h] und exakt 15[km] war der Ausstieg erreicht.

Auf dem Rückweg zum Camp Liza haben wir kurz Vorräte eingekauft und in einem sehr netten Straßen- Caffè je nach Gusto, Palatschinken mit Eis und Sahne oder ein leckeres Stück Kuchen genossen. Zur vollständigen Sättigung kochten wir abends schmackhafte Nudeln mit kräftiger Beilage und Salat.

Die Absprache für den Dienstag sah das Paddeln ab Einstieg Kobarid vor. Hinter der großen Schlucht beginnt die sogenannte „Abseilstrecke“, die wie der Name impliziert in einer etwa 150[m] tiefen Schlucht beginnt und in einer kürzeren Frequenz WW III-IV Passagen bietet. Der Zugang zum Einstieg hat sich in den letzten Jahren zwar verbessert, sodass man sich nicht mehr abseilen muss aber anstrengend ist dieser Teil allemal. Mit einem 20[kg] PE Boot auf der Schulter, erfreut sich der Schwamm im Boot als nützliches Polster. Dieser Tag war für die „Dagger- Fraktion“ ein Wander- und Shuttle Tag, denn Erinnerungen aus vergangenen Touren zur Abseilstrecke drangen hervor und ließen verlauten: „Nie wieder Abseilstrecke“!


Zwei von uns gingen demnach wandern und suchten einen gelungenen Hotspot, um die Creeker- Fahrer ordentlich in Szene zu setzen.
Eine wahrhaft traumhafte lagunenartige Stelle fanden wir 2[km] flussabwärts und etwa 120[m] tiefer als am Einstieg befindlich. Das Gefälle des Abschnitts ist folglich ordentlich, eine Entscheidung auch mal freiwillig den Bus zu fahren, ist nicht die schlechteste!

Am Abend gab es etwas auf die Ohren. „Wünsch dir was Hitparade“ mit Klassikern aus den letzten 70 Jahren. Unser guter Geschmack sollte nicht folgenlos bleiben.      

Der Mittwoch ist schnell erzählt, der Klassiker für alle. „Friedhofsstrecke“ die Zweite!
Nun befindet man sich ja im ständigen Optimieren und „Tracken“ von Leistungen, eine für diesen Tag sehr ernüchternde Erfahrung, dass kontinuierliche Verbesserung auch heißen kann: Ja ich habe versucht zu rollen und nein es lag nicht an mir, sondern an dem blöden Felsen, der im Wege lag. Wieder dreimal ausgestiegen, von schwimmen spricht hier niemand.

Die Profis unter uns paddelten noch wie gewohnt die Slalomstrecke, die sich an die Friedhofsstrecke anschließt. Die anderen hörten Kölsche Tön am Bus und genossen ein Kölsch dazu.

Zum Abendessen besuchten wir das Campingplatz Restaurant. Nach der Aufnahme von Startern, ging es gegen 21:00 Uhr zurück in den Event- Shelter. Plötzlich stand die „Polizia“ vor dem Shelter und bat um Einlass.

Unsere Nachbarin, gekleidet mit schwarzen Metall-Shirt schaute uns mit klarem Blick, tief in die Augen- und Gewissen. Mit Konzentration auf das gesprochene Wort schlussfolgerten wir, dass es offensichtlich unser Musikgeschmack war, der nicht immer ebendiesen unserer „Glamping“ Nachbarn traf.
Zur Völkerverständigung reichten wir einen Shot und lieferten etwas adäquate Musik dazu. Musik kann doch tatsächlich verbinden. Am nächsten Tag hörten wir wieder Schlager, kölsche Tön und Rudi Schuricke!

Donnerstag sollte paddeltechnisch nochmals ein Höhepunkt werden. Unsere Planung sah vor, früh am Morgen die „Abseil-“ gefolgt von der „Friedhofstrecke“ zu paddeln. Ein Tausch der Boote zum Vorteil von Auftriebseffekten war fester Teil der Planung. Dem archimedischen Prinzip folgend bekam der „Piet“ den 9.0 Axiom und ich den Busschlüssel. Ein guter Tausch wie sich herausstellte!

Bereits kurz nach dem Einstieg ins Boot, nach dem ersten Abfall verletzte sich Stefan an der Schulter. Nach unmittelbarer Versorgung mit erster Hilfe, ging es wieder in Begleitung die Schlucht hinauf. Bei ca. 25°Grad C, wahrlich ein Kraftakt.

Nun hieß es Zähne zusammenbeißen und einerseits verdrängen aber andererseits den Abschnitt zu Ende bringen, denn vier Boote lagen schließlich unten in der Schlucht am Ufer der Soca. Für Stefan und mich hieß es nun Cappuccino trinken.
Für Andy, Christian, Josch und Piet hingegen sicher die Sache zu Ende fahren.
Dieses Ziel wurde glücklich erreicht! Am Abend noch eine kleine Abschiedstour für den Busfahrer von der Koritnica Mündung zum Prion und ein letzter schöner Abend im Shelter.

Es sollten eigentlich nur ein paar Zeilen werden und mit Sicherheit wurde das ein oder andere Highlight ausgelassen, aus Versehen oder wissentlich Man(n) weiß es nicht…

Auszüge: Danke an Christian für die schmackhaften Bratkartoffeln und die perfekte Planung, Andy für das unermüdliche Laden der Boote, Stefan für das leckerste Rührei, Piet für die beste Musik und Josch für die Vorfahrt der spektakulärsten Linie.

 Uns bleibt in Erinnerung ein schöner, erholsamer und immer lustiger WW- Urlaub!