1

Neues
aus dem
Verein

Im Flow auf‘ m Fluss

huebner | 23. September 2021

Eigentlich unmöglich, denn es war ein Montag.
Es war schon der 23. August, ein Spätsommermontagmittag. Wider erwarten nicht im Regen, sondern bei sonnigen 21 Grad unter leicht durchwachsenem
Himmel trafen sich um 17:30 Uhr allein deswegen schon elf gutgelaunte Paddler*innen am Bootshaus, um den Rhein sieben Kilometer stromabwärts ab Düsseldorf Kaiserswerth zu bepaddeln. Ich war einer von ihnen und war auch dieses Jahr noch nicht einmal im Boot. Auch wegen des bescheidenen Wetters in diesem Sommer erst gar nicht im oder auf dem Wasser. Aber, wie gesagt, die Organisatoren dieser kleinen Paddeltour – Klaus und Christian – hatten im Vorfeld bereits einen guten Draht zu Petrus aufgebauen können und siehe da…. sonnig wunderbar 🙂 Also pünktlich angekommen, stand unser Vereinsbus mit Bootsanhänger startklar bereit. Schnell und wie immer hat jede/r sein Boot bereitgestellt, seine Rettungsweste gesucht, gefunden und angezogen. Bei der Bootsauswahl griff ich jedoch auf Altbewährtes zurück. Ich nahm ein 1R5 Kajak, unserer Haus und Hof Boot; wohl wissend, dass ein „Wanderer“ für diese Tour geeigneter gewesen wäre. Und bezüglich Spritzdecke -ja, und wie im letzten Jahr- habe ich immer noch die Schwierigkeit die richtige Größe zu finden; nicht wegen meinem Bauch, sondern eher wegen der Größe des Cockpits. Ich finde, es erfordert sitzend unheimliche Kraft, diese Decke um das Cockpit passend zu ziehen…unglaublich. Joshua machte aber klar, dass die meisten schon passen und das später -also kurz vor Tour- wir im Wasser sie gemeinsam nass machen würdne, womit sie dehnbarerer ist. Dies wirkte fürs Erste beruhigend für mich als „Stromabwärtspaddelnovize“. Kurz und gut: Klaus zurrte zwischendurch professionell alle Boote auf dem Hänger fest, so dass auch die Boote während unserer „langen Reise“ nach Kaiserswerth nicht ungewollt den Hänger verlassen mögen. Alle elf Paddler*innen waren jetzt also fertig ausgerüstet und los ging ’s mit dem Vereinsbus
und einem Privatauto. Auf unserer kurzen Reise im Bus habe ich Sebastian (Namen geändert) kennengelernt, 13 Jahre. Ich merkte sehr schnell, dass er echtes Interesse und Freude am Paddeln und auch am Vereinsleben gefunden hat. Alle Leute hier und die Paddellehrer haben ihn toll aufgenommen und schon einiges an Paddel-Praxis beibringen können. Paddeln sei seit neustem sein all und alles. Auf meine Frage hin, was er denn für ein Boot hat, erwiderte er, dass er noch kein eigenes habe; zur Zeit lässt sein Taschengeldbudget den Kauf eines einfachen und auch gebrauchten Kajaks nicht zu. Die Dinger sprengen einfach den Finanzrahmen (Nebenbemerkung an die
Leserschaft: Wer also ein kleines Boot für einen ehrgeizigen und talentierten jungen Paddler übrig hat, möge sich als Förderheld angesprochen fühlen:-) ). Aber nun weiter im Text: Immer noch war die Begeisterung im Bus zu spüren und schwupps, waren wir bereits nach einer Viertelstunde Fahrzeit an unserem Zielort auf dem Parkplatz neben dem Fähranleger der Michaela II angekommen. So schnell, wie wir den Bus verlassen hatten, hatten die Ersten ihre Boote vom Hänger befreit und gingen zielstrebig im steinig, sandigen Boden zum Ufer der kleinen Bucht neben der Fähre, die just dort anlegte. Und siehe da, es geht doch: bei mir war dann das befürchtete „Anschnallen“ der zuvor nassgemachten Spritzdecke rund um das Cockpit recht komplikationslos verlaufen; ging allerdings nur mit zusätzlicher Hilfe von Joshua. Also „Rein auf dem Rhein“ waren wir jetzt allesamt und ziemlich schnell, aber entspannt nahm die Flussströmung uns gemeinsam mit in den Sog und so langsam glitten wir auch weiter weg vom Ufer, um besser in der Strömung auf Fahrt zu kommen; dies alles sicher und im grünen Bereich. Klaus und weitere erfahrene Paddler waren auch immer in der Nähe und gaben mir am Anfang als „immer noch Anfänger“ gute Tipps, wie ich wieder in die „Paddelroutine“ komme. Ansage war, nun wieder richtige Haltung im Boot einzunehmen und auch die richtigen Griffpunkte am Paddel wieder zu finden. Im Prinzip merkte ich recht schnell: es ist wie Fahrradfahren, Paddeln verlernt man nicht so schnell. Für mich galt es Kurs zu halten mit Rechts und Links und Rechts und Links und so weiter. Trotzdem trug ich oft zur allgemeinen Belustigung bei, da ich mich in meinen 1R5 Kajak meist auf dem Wasser drehte, das Wasser trotz Strömungsverlauf mich wegdrückte und ich immer wieder eine 360 Grad Drehung machte. Innerlich lachte ich mich schlapp, wusste aber, dass ich auch mit dieser Akrobatennummer irgendwann durch die Strömung an unserem Zielort am
Bootshaus ankommen werde. Also eigentlich egal wie, nur „das“ schien zu zählen. Aber auch bei dieser Karussell Situation gab es kompetente Hilfestellung von den „Oldies“, um der Dreherei ein Ende zu bereiten. Einfach auf der Gegenseite des Bootes mit dem Paddel im Wasser gegensteuern, also kontern war die Lösung; ach ja, so war das ja, so hatte ich dies letztes Jahr auch erklärt bekommen, um wieder Kurs auf dem Wasser zu bekommen 🙂
Ich weiß auch, alle diese Unzulänglichkeiten sind irgendwann sicher auch „weggepaddelt“, wenn die Übung mich dann ja zu einem Meister macht, speziell Montags.
Aber nun kommt das eigentlich Wesentliche und das Schöne einer Paddeltour: Neben den o.g. kleineren und größeren Umständen ist schlicht der Perspektivwechsel des Paddlers vom Wasser aus, also der Blick vom Wasser auf die Landschaft das Beste. Hier sei beispielhaft bei der kleinen Tour stromabwärts auf dem Rhein genannt: die linksseitige grüne unbebaute Auenlandschaft mit ihren Vögeln, der an diesem Tag vorherrschende blaue Himmel, der Blick auf die rückseitigen Gartenanlagen der doch wohlhabenden Wohnhäuser in Düsseldorf Wittlar und D-Bockum, und, und… und kurz weiter gepaddelt, das allseits beliebte Archlöksken, die Gartenwirtschaft Schwenke, wo diejenigen verweilen, die nicht paddeln, die eben „nur“ vom Ufer aus einen Blick zur Abendsonne gen Westen zur Sonne geniessen können.
Ich glaube jedoch, wir Paddler sehen die Welt eben von einer anderen Perspektive. So ist es auch wunderschön zu erleben, dass so langsam die Uerdinger Rheinbrücke mehr und mehr aus der Rheinkurve auftaucht und dann in ganzer Breite angestrahlt wird von der im Westen langsam untergehenden Sonne. Der so angestrahlte Stahlkoloss erscheint in zuvor ungesehender Weise. Also festzustellen bleibt: Diese „Ausblicke“ bleiben allen Betrachter unsichtbar, es sei denn,
Mann/Frau paddelt, heuer eben bei schönem Wetter und ist -wie ich- geflasht und somit im „Flow“ auf dem Rhein 🙂
Ja, so ging es mir und sicherlich den anderen alt-erfahrenen Paddler*innen auch.

Nach der nun 50 minütigen Tour erreichten wir, so auch ich leicht erschöpft von dem „Gekonter“, unsere kleine Vereinsbucht. Genau so schnell, wie eine Stunde zuvor wir alle ins Boot gesprungen waren, hatten die Ersten es bereits unter dem Arm, um die doch anstrengenden 100 m zum Bootshaus wieder hoch zu laufen. Die Distanz ist echt nix für schwache Arme, die sind nach dem Geschleppe arm dran. Oben angekommen und leicht aus der Puste galt es, das 1R5 wieder sauber zu machen, es mit
Wasser abzuspritzen, das Paddel-Equipment im Bootshaus wieder auffindbar für die anderen Vereinsmitglieder zurück zu legen und zu stellen und sich im Bootshaus kurz frisch zu machen bzw. abzuduschen. Denn, wie immer, verabredeten wir uns nach einer Trainingseinheit oder einer Tour auf ein Come-Together in unserem Restaurant „Rheinblick“, wo seit Anfang 2021 das Pächterpaar Petra Wolters und Ralf Botzenhard, mit Sohn Timo und den beiden Hunden Snickers und Joy das Sagen haben. Hier im Rheinblick werden gute, in der Region gebraute Bierchen gezapft, sowie leckere und auch vegetarische Speisen frisch zubereitet. Ideale Voraussetzungen also, um eine unvergessliche Feierabend-Tour an einem nicht verregneten Montag gemeinsam ausklingen zu lassen. Perfekt!
Ahoi Jörg