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aus dem
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Peters Blick: Corona

Simon Gerdts | 29. März 2020

Mensch, war das schön, als das einzige, was man von „Corona“ kriegen konnte, ein deftiger Kater war und „Pandemie“ am wahrscheinlichsten eine Gruppe von Chinesischen Bären im Zoo sein durfte.
Das ist lange vorbei und heute haben beide Namen uns im Griff und jeweils große Chancen, zum Unwort des Jahres 2020 gewählt zu werden, sicher im harten Vierkampf mit „Ausgangsbeschränkungen“ und „Kontaktverbot“.

Aber was macht das drohende Virus mit uns? Welche Verhaltensweisen und Macken erkennen wir im täglichen Miteinander bei unseren Mitmenschen und uns selbst?     

Da ich in einem Sportverein arbeite, fallen mir Sportler in Parks und auf Feldern als erste auf. Viele trainieren, weil sie nichts anderes zu tun haben und weil so schönes Wetter ist (oder beides), weil sie in Form bleiben wollen oder weil es einfach hilft, sich mal auszupowern und den Kopf frei zu kriegen. Jedoch macht allein das sie schon verdächtig. Deutsche sind negativ. Da wird jeder argwöhnisch betrachtet, der sich in der jetzigen Lage überhaupt in der Öffentlichkeit aufhält. Getreu dem Motto: Was fällt dem denn ein, so zu tun, als wäre es wie immer!

Auffällig ist (aber nicht erst seit Corona), dass es viele dumme Menschen gibt. So ist in den USA der Absatz von Corona-Bier um 17% eingebrochen. Das macht betroffen!
Oder diese Hamsterkäufe. Die Zoohandlungen wissen schon gar nicht mehr, wie sie genug Nachschub der niedlichen Nager beschaffen sollen, – trotz der hohen Geburtenraten.
    Aber mal im Ernst. Wie muss jemand gestrickt sein, der Brot, Nudeln, Thunfisch und Klopapier im Keller hortet? Dem widerspricht allerdings ein Zitat des amerikanischen Literaten Charles Bukowski, der über einen ständig „Hooba Booba Eat – Hooba Booba Shit“ vor sich hin rufenden Verrückten sagte: Essen und Scheißen – der Mann hatte den Sinn des Lebens erkannt.
Vielleicht liegen sie also doch nicht falsch, die Hamsterer, und wir sind die Ignoranten.

Was fällt noch auf? Es gibt auch Positives zu berichten. Wer regelmäßige Autobahnfahrten zur Arbeit hinter sich bringen muss, hat freie Fahrt. Ein ganz anderes Gefühl zur Rush Hour, und der Sprit ist auch noch billig!
Und man kann auch sonst ordentlich drauf treten aufs Gaspedal. Oder habt ihr etwa noch nicht gemerkt, dass es aktuell keine mobilen Blitzer auf unseren Straßen mehr gibt. Entweder werden die Kollegen für andere Aufgaben dringender benötigt, oder es gibt eine höhere Dienstanweisung, die geschundenen Bürger in diesen schweren Zeiten nicht noch mehr zu drangsalieren.       

Gestern kam ich um eine Ecke und sah einen Bekannten, der mir länger nicht über den Weg gelaufen ist. Die Szene erinnerte an ein Duell im wilden Westen. Beide zuckten wir mit unseren rechten Händen, als wollten wir zum Schießeisen greifen. Dann bemerkten wir unseren Fehler, zuckten zurück, verzichteten auf den Handshake, lächelten uns entschuldigend an und begrüßten uns aus 2 m Entfernung.  

Was sah ich noch? Ich sah den Mann, der mit Handschuhen und Mundschutz hinter seinem Steuer saß. Er war allein im Auto! 

Und ich sah die Frau, die vor dem Supermarkt mehrere Minuten lang vergeblich versuchte, den Stecker in den Wagen vor ihr zu schieben, um an ihren Euro zu kommen. Sie versuchte dies mit beiden Ellbogen, um den Mechanismus nicht mit den Fingern zu berühren – und verzichtete schließlich auf ihren Euro.       

Und ich sah mich selbst, wie ich jeden Tag darüber nachdenke, wie man mit möglichst wenig Berührungen von Türklinken über die Runden kommt. Mit Ellbogen Türen öffnen kann ich schon und das Schließen der Tür mit dem Fuß und genau dem richtigen Schwung, hart genug, um gerade zu schließen und gefühlvoll genug, damit sie nicht knallt, gelingt auch immer besser.

Zum Schluss komme ich zurück zu unserem Sportverein und frage mich, was wir mit unseren Herzsport-Mitgliedern tun, wenn wieder Normalität eingekehrt ist. Auf jeden Fall den Namen ihres Kurses ändern, für alle Fälle. Denn wer will dann schon noch in einer Coronarsportgruppe sein.

So, liebe Freunde. Geht wachsam und mit offenen Augen durchs schwieriger gewordene Leben, aber verliert bei aller gebotenen Ernsthaftigkeit nie euren Humor.

Euer Peter