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Neues
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Wanderfahrt auf der Lenne am 23. Januar

huebner | 10. Februar 2022

Seit dem letzten Wochenende hat es fast nicht mehr geregnet. War der Wasserstand auf der Wenne schon knapp, sieht es eine Woche später noch weniger günstig aus. Aber es gibt einen schmalen Lichtblick. Die Lenne entspringt am Kahlen Asten bei Winterberg und bekommt bei Tagestemperaturen etwas Schmelzwasser. In Winterberg ist die Skisaison in vollem Gange, so dass der Lennepegel in Kickenbach bei 135 Zentimeter liegt. Das Wasser wird also ausreichen.

In Altenhundem treffen wir auf Markus, laden sein Boot um und kleiden uns für die Kleinflussfahrt um. Dann geht es weiter zum Einsatzort Schmallenberg, wo bereits eine größere Gruppe aus Fröndenberg an der Einsatzstelle wartet. Das ist ein vielversprechendes Zeichen. Auf dem Wasser wird es spannend. Das klare Wasser findet in dem kurvenreichen Flusslauf seinen Weg und wir folgen ihm. Gelegentlich sehen wir Schnee auf den Bergspitzen, gewissermaßen unsere Wasserreserve. Ein Wehr folgt auf das andere. Glücklicherweise fast alle fahrbar, so dass sie weniger ein Hindernis als eine sportliche Einlage darstellen. Ich habe das Gefühl auf dem Fluss mit den meisten Wehren zu sein, den ich je gefahren bin. Meine letzte Tour auf der oberen Lenne liegt schon einige Jahre zurück und die Erinnerung ist lückenhaft. Der Flussführer weist bis zu unserem Ziel in Altenhundem 19 Hindernisse dieser Gattung auf. Bei einer Fahrstrecke von 20 Kilometern nicht gerade wenig. Trotzdem ist die Fließgeschwindigkeit des Flusses überall flott und es gibt keinen Rückstau vor den Wehren. Die Lenne durchfließt dabei ein wunderschönes Mittelgebirgstal. Nach gut drei Stunden sind wir am Ziel und uns einig, dass sich die weite Anfahrt gelohnt hat. Denn wo findet man bei uns schon für eine Tagesfahrt etwas Wildwasser?

Zum Thema Wildwasser noch eine persönliche Anmerkung. Bei Rückfragen in der Planungsphase scheue ich immer davor zurück, Kleinflüsse wie die Lenne mit einem Wildwasserschwierigkeitsgrad zu belegen. Die Lenne wird beispielsweise in der Kanuliteratur mit dem Schwierigkeitsgrad WW II ausgewiesen.  Die Stromführung suggeriert einen Schwierigkeitsgrad, der deutlich geringer ist. Die eigentlichen Schwierigkeiten liegen nicht in hohen Wellen, Walzen oder unübersichtlichem Verlauf der Strömung, sondern in einem oft sehr engen Flussbett mit zuzüglichen Verengungen durch Gebüsch oder umgestürzten Bäumen. Frei nach Murphy‘s Gesetz nimmt die Strömung meist den Weg in die Richtung, wo der Raum durch diese Hindernisse von oben eingeschränkt und damit eine Korrektur mit dem Paddel oder eine Stütze unmöglich ist.  Hinzu kommen gelegentlich niedrige Brücken oder Zäune. Nicht immer sind die vorhandenen Kehrwässer besonders üppig und oft nicht groß genug für mehrere Boote. Die fahrbaren Wehre sind ohnehin eine Kategorie für sich, die sich einer Einstufung in den Wildwasser- Schwierigkeitsgrad entziehen. Auf der Lenne bleiben uns Hindernisse in Form umgestürzter Bäume oder niedriger Brücken erspart. Ganz anders als auf den zuvor gepaddelten Kleinflüssen Bröhl und Wenne.

Wer beim Lesen dieser Zeilen auf den Geschmack gekommen und unsicher bezüglich der eigenen Paddelfähigkeiten ist, dem empfehle ich deshalb gern Flüsse wie Sülz oder Agger. Hier werden Kleinflusseinsteiger nicht überfordert und die alten Hasen, die Häsinnen natürlich auch nicht zu vergessen, können sich bei guter Strömung ganz dem Naturerlebnis widmen. Meist liegen hier ohnehin die Ausweichmöglichkeiten bei niedrigem Wasserstand. Für die ausgeschriebenen Vereinsfahrten ist geplant, das gesamte Spektrum abzudecken.

Wolfgang Henze